Domestizierung des Frettchens

Das Frettchen stammt ursprünglich vom Iltis ab, wobei noch nicht genau geklärt ist, ob der Waldiltis, der afrikanische Steppeniltis oder sogar beide Urvater der beliebten Haustiere sind. Was jedoch eindeutig erwiesen ist, ist die Tatsache, dass Frettchen bereits vor etwa 4500 Jahren gezüchtet wurden. So ist zum Beispiel bekannt, dass die Tiere bereits 1300 v. Chr. bei den Ägyptern erfolgreich zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen eingesetzt wurden.

Ab etwa 450 vor Christus werden die Marderartigen als Jagdhelfer und zur Unterhaltung der griechischen Damen erwähnt. Ähnlich frühe Nachweise gibt es aus Marokko und Spanien. Die Römer schätzten das Frettchen als Haus- und Jagdbegleiter ebenfalls. So werden sie 70 v. Chr. erstmalig erwähnt und im 4. Jahrhundert vor Christus berichtet auch Aristoteles über die kleinen Raubtiere. Plinius erwähnt in seinen Briefen, dass Kaiser Augustus einige Marderartige auf die Balearen bringen ließ, um die dortige Kaninchenplage einzudämmen.

Durch die Römer kamen die Frettchen auch nach Europa und erfreuten sich dort schnell großer Beliebtheit als effektive Jagdhelfer. Meist fand man Frettchen vor allem dort, wo auch große Bestände an Wildkaninchen zu Hause waren. Interessant zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass nicht die wildfarbene die erste domestizierte Form war, sondern der Albino. Diese Farbzüchtung wurde vorgenommen, um die Frettchen bei der Jagd leichter von der Beute unterscheiden zu können. Die ursprüngliche Farbe wurde erst durch das Einkreuzen von Wildiltissen im 18. und 19. Jahrhundert wieder eingebracht.

Nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Beliebtheit der Frettchen noch einmal an, waren sie doch wertvolle Helfer bei der Jagd, bis die possierlichen Kobolde  in den 70er Jahren schließlich einen wahren Boom als Haustiere erlebten. Einige der Marderartigen, zu denen übrigens auch Marder, Iltis, Nerz, Mink, Wiesel, Dachs und Otter gehören, leben heute auch wild in Deutschland und anderen Ländern.

So gibt es verwilderte Bestände auf Sardinien, Sizilien und in Neuseeland. In Neuseeland richteten die Frettchen großen Schaden an, weshalb die private Frettchenhaltung dort in der Zwischenzeit verboten wurde. Es wird vermutet, dass es sich bei diesen wildlebenden Tieren nicht nur um reine Frettchen, sondern zu einem großen Teil auch um Kreuzungen aus Iltis und Frettchen (Hybriden) handelt.

Einsatzgebiete

Durch ihre schlanke Körperform, enorme Beißkraft, Beweglichkeit und den engen Anschluss an den Menschen, waren und sind Frettchen als Jagdhelfer prädestiniert. Die Tiere wurden meist zur Jagd auf Kaninchen eingesetzt. Dazu fütterte man ein Frettchen satt und schickte es in den Kaninchenbau.

Durch den Geruch des Fressfeindes aufgeschreckt, flohen die Beutetiere nach draußen, wodurch sie die Jäger leicht in vorher platzierten Netzen und Reusen fangen und anschließend erlegen konnten. Diese Jagdmethode, "Frettieren" genannt, wird auch heute noch angewandt, wobei man meist eine unkastrierte Fähe verwendet, die mit einem Maulkorb ausgestattet wird, um Übergriffe auf das jeweilige Beutetier zu vermeiden. Für die Jagd mit Frettchen ist ein Jagdschein erforderlich.

Frettchen haben sich ihren Jagdtrieb auch in der Heimtierhaltung bewahrt, jedoch ist er hier in der Regel nicht so ausgeprägt. Körperbau und Beißkraft haben sich jedoch nicht verändert. Die Marderartigen sind kleine Raubtiere geblieben und unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht nicht von ihren wilden Verwandten.